#19 Unsichtbar, aber nicht egal – Wie wir Mikroschadstoffe aus der Ruhr holen
Shownotes
Arzneimittelrückstände, Industriechemikalien, organische Spurenstoffe: viele dieser Stoffe sind unsichtbar, wirken aber langfristig auf Gewässer und Ökosysteme. Gerade im Ruhreinzugsgebiet, wo die Ruhr nicht nur Lebensraum, sondern auch zentrale Trinkwasserressource ist, kommt der Reduktion von Mikroschadstoffen eine besondere Bedeutung zu.
In dieser Folge von Wasserdicht spricht Thorsten Schlautmann mit Jan Ruppelt über den aktuellen Stand der Mikroschadstoffreduktion im Ruhreinzugsgebiet. Im Fokus stehen neue Reinigungsverfahren, die vierte Reinigungsstufe, Übergangslösungen mit Pulveraktivkohle, strategische Entscheidungen zur Verfahrensauswahl und der Blick in die Zukunft der Kläranlagenlandschaft.
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00:00:14: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Wasserdicht im Podcast rund um die Wasserwirtschaft beim Rufverband.
00:00:20: Wenn wir über sauberes Wasser sprechen, denken viele ansichtbare Dinge.
00:00:24: Schaum auf dem Fluss oder trübes Wasser oder Müll im Uferbereich – doch eine der größten Herausforderungen für den Gewässerschutz ist unsichtbar!
00:00:32: Wir reden heute über Mikroschadstoffe.
00:00:35: Als Neimittelrückstände, Industriechemikalien und andere organische Spurenstoffe gelangen über das Abwasser in unsere Flüsse und lassen sich mit klassischen Reinigungserfahren nur ziemlich begrenzt entfernen.
00:00:47: Gerade im Ruheinzugsgebiet, wo die Ruhe eine zentrale Trinkwasserquelle ist – das natürlich ein total sensibles Thema!
00:00:53: Und wie der Ruhrverband damit umgeht?
00:00:54: Welche Lösung gibt es schon und was in den nächsten Jahren auf uns zukommt?
00:00:58: darüber spreche ich heute mit Dr.
00:01:00: Jan Ruppelt Leiter der Planungsabteilung beim Ruhrverband.
00:01:03: Und Jan, was soll ich sagen?
00:01:04: Ich freue mich total, dass du da bist!
00:01:06: Ja, Lothoto, ich freu mich auch total hier zu sein heute.
00:01:09: Jan, im Gegensatz zu anderen Kolleginnen und Kollegen bist du zum ersten Mal Gast in unserem kleinen Podcast jetzt in der zweiten Staffel.
00:01:17: Ich würde dich bitten stelle dich mal kurz vor wer bist Du?
00:01:19: Was machst Du so damit unsere Hörerinnen und Hörern eine kleine Idee davon kriegen wer mir heute gegenüber sitzt?
00:01:24: Ja
00:01:24: klar das mache ich total gerne.
00:01:26: ich bin Jan Ruppelt.
00:01:28: Ich habe in Aachen Entsorgungsingenieurwesen an der RWTA studiert mit der Fachrichtung Abwassertechnik und bin dann noch dargeblieben.
00:01:35: In der Forschung war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Mikroschadstoffe beschäftigt tatsächlich mehr im Bereich der Mischwasserbehandlung mit Rettitionsbodenfiltern.
00:01:49: Und dann bin ich über ein Nachwuchsführungskräfteprogramm zum Ruhrverband gekommen, ich war erst in der Abteilung Betriebstechnik hier in Essen und habe mich mit der Betriebsoptimierung unserer Anlagen beschäftigt, war dann im regionalen Bereich Nord-Innsberg im Betrieb ... Ein
00:02:05: bisschen was gesehen vom Corona Hand oder?
00:02:08: Ja, doch würde ich sagen!
00:02:10: In Ansberg Team Betriebsmanagement und damit ich in die Planungsabteilung als Projektleiter gewechselt habe, dort zwei Jahre lang Projekte bearbeitet.
00:02:19: Und seit Jahrzehntausend vierundzwanzig leite ich die Planung Abteilungen.
00:02:23: From Rex to Riches wie man so schön sagt ja!
00:02:27: Da lacht er.
00:02:28: Er ist so bescheiden, liebe Zurin und Zuhörer!
00:02:31: Und ihr könnt ihn ja nicht sehen.
00:02:32: Apropos nicht sehen unsichtbar aber nicht egal heißt es quasi heute in unserem Titel der aktuellen Folge... ...und wir wollen hier über Mikroschadstoffe reden.
00:02:40: Die sind für viele jetzt erst mal Jan ein ziemlich abstraktes Thema.
00:02:43: Keiner kann sich was darunter vorstellen.
00:02:45: Aber warum gehören sie aus deiner Sicht momentan zu den größten aktuellen Herausforderungen in der Wasserwirtschaft?
00:02:51: Ja aktuelle Herausforderung das muss man bisschen relativieren.
00:02:54: also ich würde sagen Die Mikroschadstoffe gibt es, ich will nicht sagen schon immer im Abwasser aber mindestens mal seit der Industrialisierung oder mit der größeren Produktion von eben.
00:03:07: du hattest die Stoffe vorhin schonmal genannt als Neimitteln, Industrie Chemikalien und so weiter.
00:03:13: Aber wir sind eben seit einigen Jahren Jahrzehnten wenigen Jahrzehnten in der Lage, diese auch zu analysieren und wissen überhaupt erstmal was in unserem Abwasser so drin ist.
00:03:24: Und ja mit dieser Erkenntnis ist man dann natürlich auch schnell zu den Maßnahmen gekommen.
00:03:29: also was können wir denn tun um diese Stoffe aus dem Abwasser wieder rauszuholen?
00:03:36: Ja Herausforderungen wie der Name schon sagt Mikroschadstoffe Spurenstoffe werden sie ja auch genannt treten eben sehr geringen Konzentrationen auf.
00:03:45: Wir reden hier über den Bereich Mikrogramm pro Liter oder Nanogramm pro Litter, das ist also ein Millionstel Gramm bei Mikro-Gramm-Pro-Liter oder ein Milliardste Gramm-Proliter.
00:03:57: Also sehr, sehr geringe Konzentationen und da kann man sich schon vorstellen, dass es sehr schwierig diese niedrigen Konzentrations dann auch noch aus dem Abwasser herauszuholen.
00:04:09: Na ja, was ist noch eine Herausforderung?
00:04:11: Der Gesetzgeber oder die Gesetzgebe haben reagiert.
00:04:14: Haben diese Mikroschadstoffe jetzt auch in rechtliche Regelungen überführt und da müssen wir natürlich schauen, dass wir diese Anforderungen, die an uns gestellt werden, entsprechend den begegnen und die Anlagen entsprechend ausbauen.
00:04:30: Wir haben gerade schon über Industriechemikalien, über Medikamentenrückstände gesprochen.
00:04:34: aber über welche Stoffe sprechen Wo kommen Sie her?
00:04:38: und vor allen Dingen, du hast gerade erwähnt.
00:04:40: Die sind ja in einem so kleinen Bestandteil nur vorhanden diese Konzentration.
00:04:44: Warum müssen wir da überhaupt was machen?
00:04:46: Aber dazu gehen wir später eh noch mal ausführlich drauf ein.
00:04:49: Ja genau.
00:04:49: Zuerst
00:04:49: vielleicht mal worüber sprechen eigentlich?
00:04:51: also Was ist das für Mikroschadstoffe?
00:04:53: Also es ist eine sehr breite Palette an Substanzen die wir in unserem Alltag einsetzen.
00:04:58: Ein Beispiel zum Beispiel Weichmacher in Kunststoff.
00:05:03: BPA Kennt jeder Bisphenol A ist eigentlich die Bezeichnung auf vielen Kunststoffflaschen.
00:05:08: Es steht heutzutage drauf BPA Free, weil es eben eine giftige Substanz ist.
00:05:12: aber auch Korrosionsschutzmittel damit zum Beispiel die Spülmaschine nicht rostet.
00:05:17: innen drin.
00:05:18: also andere Industriechimikalien, aber letztlich eine sehr große Stoffgruppe mit der wir uns beschäftigen sind die Arzneimittel und da finden wir eben sehr viele Substanzen, die im menschlichen Körper bei der Einnahme nicht vollständig metabolisiert werden.
00:05:34: Das bedeutet dass wir diese Wirkstoffe immer noch in sehr nennenswerten Konzentration über den Urin wieder ausscheiden und damit gelangen sie dann ins Abwasser, damit in die Kläranlage stand eben auch immer noch in die Gewässer, weil die Kläranlagen nicht in der Lage sind diese Stoffe im Moment nennenswert herauszuholen.
00:05:58: Also wir schaffen da was das kommt auch immer auf den stoff an vielleicht dreißig vierzig Prozent aber das ist nicht genug.
00:06:05: Ja, Jan.
00:06:05: Du hast uns gerade erzählt, dass die Mikroschadstoffe dann quasi durch das Pipi machen sozusagen oder auch durch das Abduschen in die Gewässer gehen und da sind sie dann.
00:06:15: aber was macht das aus ökologischer Sicht mit den Gewässern?
00:06:18: Also weswegen sind Mikroschatstoffe da ein echtes Problem?
00:06:21: Ich hatte ja vorhin gesagt, wir reden über sehr geringe Konzentration.
00:06:24: Aber trotzdem können diese Substanzen noch in diesen sehr gerenen Konzentationen wirksam sein.
00:06:30: Das heißt, wir haben zum Beispiel die Rückstände von hormonellen Verhütungsmitteln Die Pille hier mal in Anführungsstrichen gezeigt, die dann immer noch im Gewässer wirksam seien kann und zum Beispiel zur Verweiblichung von Fisch- oder Froschpopulationen führen kann.
00:06:47: aber auch am Beispiel die Klophenac was wir alle kennen Schmerzgelen, die man so aufträgt.
00:06:53: Wenn man irgendwo Probleme hat was das ich zerrung und so weiter
00:06:57: rücken.
00:06:57: Ich habe Rücken.
00:06:59: Aber ich nutze seitdem ich beim Ruhrverband arbeite und das möchte ich immer öffentlich sagen kein Diklopfer-Nack mehr.
00:07:04: Sehr gut.
00:07:05: Da gibt es ja auch alternative Präparate, die zum Beispiel mit Ibuprofen arbeiten was eine ähnliche Wirkung hat aber letztlich deutlich besser auch schon in der konventionellen Kläranlage abzubauen ist denn die Klofinak kann eben denieren von Fischen beispielsweise schädigen.
00:07:23: Okay, das heißt also die aquatischen Lebewesen haben da mit ein echtes Problem.
00:07:28: Das heißt dass was uns hilft schadet dann letztendlich den Tieren in der Ruhe.
00:07:33: Die Ruhe ist ja nicht nur ein Fluss sondern eben auch eine zentrale Trinkwasserressource hier in der Region.
00:07:37: du hast gerade schon angesprochen was die Spurenstoffe mit unserem Wasser machen.
00:07:44: wie könnten wir dem denn Einhalt gebieten?
00:07:46: Also inwiefern können wir als Ruhrverband dafür sorgen dass das was die Menschen ins Wasser abführen von unserer Seite aus ein bisschen entschärft wird, damit es der Ökologie einfach besser geht.
00:07:57: Ja also die Ökologie ist die eine Seite und wir haben aber auf der anderen Seite natürlich den Punkt dass die Ruhr letztlich die Rohwasserlieferantin für vier Komma sechs Millionen Menschen Verantwortung.
00:08:14: Das heißt, wo kann man ansetzen?
00:08:16: Hattest du gerade gefragt?
00:08:17: es gibt verschiedene Ansatzpunkte also die Start-off Pipe Maßnahmen oder an der Quelle anzusetzen das Internet zum Beispiel solche Anwendungsverbote oder zumindest einen bewussteren Umgang mit der Verwendung von solchen Stoffen herbeizuführen, durch zum Beispiel Aufklärungskampagnen gab es ja in Essen hier auch.
00:08:37: Die Kampagneessen macht's klar z.B.
00:08:39: In Kooperation sagen wir gerne noch mal mit dazu mit unseren lieben Kolleginnen und Kollegen von deiner Straßenseite im Lippeverband.
00:08:47: Ja aber damit kann man immer nur gewissen Erfolg herbeiführen.
00:08:52: und dann gibt es eben letztlich noch die sogenannten End-of-Pipe Maßnahmen also dort wo das Abwasser eben am Ende der Leitung auf der Kläranlage wieder ankommt, dass wir dort dann eben vierte Reinigungsstufen bauen um dann die Stoffe bevor sie ins Gewässer gelangen dort aus dem Abwasser herauszuholen.
00:09:11: Also
00:09:12: Aufklärung das eine, Schadensbegrenzung sozusagen das andere Thema.
00:09:15: Genau Jetzt kommt ja noch ein ganz anderer wichtiger Punkt dazu.
00:09:18: Wir hatten in den vergangenen Folgen immer mal wie über das Thema Klimawander gesprochen.
00:09:22: wir haben darüber gesprochen dass wir zwar Starkregenereignisse haben aber eben auch längere Trockenphasen.
00:09:28: und wenn weniger Wasser im Fluss ist durch diese Trockenfasen was bedeutet denn das dann für die Konzentration von Spurenstoffen?
00:09:35: Ja, das ist natürlich im Prinzip eine relativ simple Rechnung.
00:09:39: Wenn ich die gleiche Fracht an Wirkstoffen zum Beispiel von Medikamenten habe aber das Wasser was im Fluss ist vermindere durch Trockenphasen beispielsweise erhöht sich automatisch die Konzentration.
00:09:52: obwohl ich an sich jetzt nichts im System ändere also nicht mehr... Das versteh'
00:09:57: ich als Nicht-Mathematiker Verbrauch!
00:10:02: Das ist dann natürlich nochmal entsprechende Verschärfung, weil mit höheren Konzentration diese negativen Effekte die ich gerade genannt hatte also Verweiblichungen, Nierenschädigungen und so weiter damit noch stärker zutage treten würden.
00:10:18: Mit der Novellierung?
00:10:19: Das Rohrverbandsgesetz ist auf der einen Seite, aber auch mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie und dem europäischen Cardprozess hat sich ja jetzt einiges verändert was das regulatorisch angeht.
00:10:29: Welche Rolle spielen denn diese Vorgaben bei der Mikroschadstoffreduktion?
00:10:33: Hat das direkte Auswirkungen auf deine Arbeit sozusagen?
00:10:37: Ja auf jeden Fall!
00:10:38: Also erstmal vielleicht noch mal einen Schritt zurück.
00:10:41: Du hattest gerade die Novellierung des Rohrverbandsgesetzes angesprochen, aber warum haben wir es überhaupt gemacht?
00:10:46: Da geht's natürlich darum.
00:10:48: Die Klimaresilienz unseres Talsperrensystems zu stärken heißt dass wir in länger anhaltenden Dürreperioden mehr Wasser an den Talschmerren zurückhalten können.
00:10:59: dadurch verringert sich eben die Wasserführung in der Ruhr und das führt eben zu dem Effekt, den wir auch gerade besprochen haben, dass sich die Konzentration erhöhen.
00:11:09: Der Ruhrverband hat gemeinsam mit dem Umweltministerium NRW dann zu dieser Änderung des Ruhrverbandsgesetzes eine Begleitvereinbarung verabschiedet, in der festgelegt wird welche Kläranlagen beim Ruhr-Verband mit einer zusätzlichen, einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet werden sollen.
00:11:27: Darin sind zehn Kläranlagen benannt.
00:11:31: Gleichzeitig, du hast es gerade auch schon kurz angesprochen die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die ist ja schon seit dem Jahr zweitausend gibt hat davon bereits acht dieser Anlagen festgelegt.
00:11:42: dass sie also es wird festgelegt im Maßnahmenprogramm zur Umsetzung der Wasserrahmen richtlinien das acht Klär an Langen sowieso schon mit vierten Reinigungsstufen hätten ausgebaut werden müssen.
00:11:53: jetzt in Zuge der Nervollierung des Rohrverbandsgesetzes wurden da aber noch die zeitlichen Ziele vorgezogen, also der Zeitplan gestraft.
00:12:02: Dann kam über die Begleitvoreinbarung noch mal zwei zusätzliche Kläranlagen dazu, die wir jetzt hätten nicht im Zuge der EU-Wasserrahmenrichtlinie ausstatten müssen.
00:12:11: und dann du hattest gerade nochmal genannt KAL vielleicht für unsere Zuhörerinnen und Zuhäurer – die EU hat eine neue Kommunalabwasser-Richtlinie auf den Weg gebracht oder verabschiedet.
00:12:23: Die gilt seit dem ersten, erster Jahrzehntausendfünfundzwanzig und Kommunal abwasser Richtlinie.
00:12:28: Das wurde dann in der deutschen Wasserwirtschaft schön zu kahl gemacht.
00:12:32: Ist ja auch
00:12:32: niedlich.
00:12:33: Ja klar, auf jeden Fall.
00:12:34: Genau!
00:12:35: Und darin sind auch noch mal festgelegt welche Kläranlagen mit vierten Reinigungsstufen auszustatten sind.
00:12:43: Welche das konkret sind, werden wir jetzt erst sehen wenn die Kahl in nationales Recht umgesetzt wird.
00:12:51: Da ist es noch ein Jahr Zeit.
00:12:52: für was aber feststeht?
00:12:54: das alle Kläranlagen über einen hundertfünfzigtausend Einwohnerwerten mit einer vierten Reinigungstufe ausgestattet werden müssen.
00:13:00: und das sind bei uns drei Stück kläranlage Hagen, klärenlage Bochum-Örbachteile und klärenlager Lysburg-Kasslerfeld.
00:13:06: und die müssen dann auch nochmal spätestens bis zwei tausendfünftvierzig ausgestattert werden.
00:13:10: also sind wir im Moment Mit dreizehn unserer siebensechzig Anlagen dabei.
00:13:16: Und das klingt nach ziemlich harten Investitionen,
00:13:19: oder?
00:13:20: Auf jeden Fall!
00:13:21: Also da reden wir über große Summen mehr...
00:13:24: Die wollen wir auch gar nicht in der Öffentlichkeit breitreten.
00:13:27: Da gehen wir vielleicht in ein separaten Folge noch mal drauf ein was uns das alles kostet.
00:13:31: aber du hast gerade ganz oft von einer vierten Abwasserreinigungsstufe gesprochen und vielleicht gehen wir diesen Schritt tatsächlich nochmal zurück holen unsere Zuhörerinnen und Zöhrer an der Stelle ab und fragen einfach mal was die denn von den klassischen Reinigungsstufen eigentlich unterscheidet.
00:13:46: Also so ein bisschen back to basic, wir gucken mal wie funktioniert eine Kläranlage?
00:13:50: Und was macht die vierte Reinigungstufe, was die anderen drei nicht schaffen?
00:13:55: Genau!
00:13:56: Ja das ist ein guter Vorschlag.
00:13:57: Also wir haben bei der vierten Reinigungsstufe eben mit einer ganz anderen Verfahrenstechnik zu tun.
00:14:03: Wenn wir noch mal so ein bisschen historisch schauen, die erste Reinigungstupe ist im Prinzip die mechanische Reinigung.
00:14:08: das heißt wir haben da Rechen-, Sandfang-Vorklärung wo wir im Prinzip über mechanische Abtrennenverfahren oder Silimentationsverfahren erstmal die festen Abwasser-Inhaltsstoffe aus dem Abwasser rausholen.
00:14:22: Daran schließt sich dann die zweite Reinigungsstufe an, die biologische Reinigung, wo im Prinzip die Stickstoffelimination durchgeführt wird und bei der dritten ehrlicherweise da... Das
00:14:30: sind dann diese Bakterien?
00:14:32: Ja
00:14:33: genau!
00:14:35: Aber bei der Dritten Reinigungsschufe unterscheiden sich schon die Geister ob es jetzt die chemische Phosphorelimination mit Eisensalzen ist, die wir auch standardmäßig beim Rohverband durchführen oder eben eine Filtrationsstupe die auch in vielen Teilen Nordrhein-Westfalens angewendet wird.
00:14:50: Aber sagen wir mal, dass wir drei haben, da sind sich alle einig!
00:14:54: So jetzt kommt die vierte.
00:14:55: Die hat dann eben noch meine ganz andere Verfahrenstechnik.
00:14:58: Da kommen im Prinzip entweder adsorptive Verfahren, die mit Aktivkohle arbeiten zum Einsatz oder oxidative Verfahren ,die im Wesentlichen mit Ozonearbeiten zum Einsatz.
00:15:10: Also adsorbtif wird dann bedeuten quasi das sich das alles der Kohle quasi festsetzt sozusagen und oxidativ wird dann was bedeuten.
00:15:20: Da werden die Spurenstoffe, das sind also organische Substanzen diese ganzen Arzneimittel
00:15:25: usw.,
00:15:26: werden dann aufoxidiert durch das Ozone, was sehr schnell reagiert mit anderen Substancen und dann werden diese Stoffe wenn man so will gekrackt und damit zerstört.
00:15:38: Wir haben von den unterschiedlichen Verfahren gesprochen.
00:15:41: Lieber Yang, die Kleiner Gebrilon wurde ja auch um eine vierte Reinigungsstufe erweitert.
00:15:46: was würde dort konkret umgesetzt?
00:15:47: und vor allen Dingen welche Erfahrungen habt ihr jetzt aus dem Betrieb bisher gewonnen?
00:15:51: Ja in Brelon das war jetzt die erste Anlage, die wir groß technisch ausgebaut haben Und dort wurde ein Pulveraktivkohle-Verfahren angewendet.
00:16:01: Das kann man sich so vorstellen, eine Pulver-Aktivkohl hat ungefähr so ne Konsistenz wie Mehl also ist sehr fein und danach hat man auch ganz schwatte Finger wie man hier sagen würde.
00:16:12: Und da ist es ebenso dass wir den klassischen Abwasserreinigungsprozess haben der mit der Nachklärung endet und danach würde oder ging auch bisher das gereinigte Abwasser dann in das Gewässer.
00:16:23: Und da wurde jetzt eine zusätzliche Verfahrenstufe hinten dran geschaltet, eben eine Pulveraktivkohledosierung.
00:16:30: Das heißt, da gibt es noch mal einen Kontaktbecken wo das gereinigte Abwasser mit der Pulver-Aktivkole in Kontakt gebracht wird durchmischt wird und in diesem Prozess lagern sich dann die Spurenstoffe an die Aktivkoole an.
00:16:43: Du hattest es vorhin auch schon einmal erwähnt.
00:16:44: also Die Aktivkohl hat eben die Eigenschaft einer sehr hohe innere Oberfläche zu haben.
00:16:51: Das heißt, wir haben in einem Gramm Aktivkohle ungefähr eine innere Oberfläche von zweitausend Quadratmeter.
00:16:58: Da kann man sich gar nicht vorstellen.
00:17:00: Also weil da so viele Poren sind und diesen Poren lagern sich dann die Spurenstoffe an.
00:17:08: Und im Brilan ist es dann so dass ich danach eine Tuchfiltration anschließt, die dann wiederum diese beladene Aktivkole vom Abwasser trennt.
00:17:17: Ja und ihr hattest ja noch gefragt welche Erfahrungen haben.
00:17:19: Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht.
00:17:21: Wir haben ein bisschen gebraucht, bis wir die Anlage so gut kannten und auch das Gespür dafür hatten wie reagiert sie auf verschiedene Dosiestrategien
00:17:33: usw.,
00:17:34: aber jetzt läuft die sehr gut.
00:17:35: Und wir halten dort eben sicher das Ziel der Achtzig-Prozent-Elimination, welches es dann für eine definierte Palette an Spurenstoffen gibt einen!
00:17:46: Jan, nicht überall lässt sich sofort eine vierte Reinigungsstufe wie in Breelon bauen.
00:17:51: Stattdessen arbeiten wir mit Übergangslösung.
00:17:53: Warum sind die aus deiner Sicht wichtig und wie werden sie dann realisiert?
00:17:58: Ja genau das hat uns jetzt an zwei Standorten haben wir das genutzt diese Übergangslösungen.
00:18:04: Das hingen einfach damit zusammen.
00:18:06: Wir hatten ja vorhin schon über den Prozess der Novellierung des Rohvermannsgesetzes gesprochen Bedarf und den Druck gesehen, dass wir können den Klimawandel nicht aufhalten.
00:18:18: Er sagte, warte mal noch ein paar Jahre, sondern der Klimawandel ist da Und die nächste Dürreperiode kann im Prinzip dieses Jahr kommen.
00:18:26: Wir haben es eigentlich letztes Jahr auch schon gesehen Es war da schon trocken und da hat das Umweltministerium entsprechend gesagt wenn wir diese verringerten Mindestabflüsse in der Ruhe anfahren möchten dann müssen wir eben an zwei Standorten auch sofort Maßnahmen ergreifen.
00:18:42: aber so eine Ich sage mal, richtige und dauerhafte vierte Reinigungsstufe wie in Brilon die ist nicht mal eben von heute auf morgen geplant und gebaut.
00:18:51: Und deswegen haben wir dort eine Übergangslösung gebaut wo wir allerdings auch Pulveraktivkohl also gibt schon Parallelen zu Brilon dosieren allerdings dort direkt in das Belebungsbecken.
00:19:03: ich hatte ja gesagt In Brilon ist es ganze dem klassischen Abwasserreinigungsprozess nachgeschaltet.
00:19:09: In Bestlich-Filmet und Ansberg-Nähheim dosieren wir die Pulveraktivkohle direkt in das Belebungsbecken.
00:19:15: Das funktioniert auch gut, also wir haben da total positive Erfahrungen.
00:19:20: Allerdings muss man sagen das ist deutlich ineffizienter weil du natürlich im Belebungsbecken noch die ganzen anderen Stoffe drin hast die eigentlich dort erst auch noch abgereinigt werden und entsprechend musst du viel mehr Aktivkohle reinschmeißen sozusagen um die gleiche Elimination zu haben.
00:19:35: Das heißt sie sind total wichtig weil sie schnell funktionieren schnell gebaut werden können bis wir jetzt an diesen beiden Standorten auch dauerhafte vierte Reinigungsstufen bauen werden und da sind wir im Moment dran.
00:19:48: Wir haben gerade das Thema Prüvaktivkohle angesprochen, dass es einer dieser technischen Umsetzungen oder eine dieser technische Umsetzungsmöglichkeiten.
00:19:55: aber es gibt ja auch noch Ozonung oder Kombination daraus.
00:19:58: wie trefft ihr im Team die Entscheidung welches Verfahren beim Ruhrverband wo und wie eingesetzt wird?
00:20:04: Ja das ist eine gute Frage intensiv miteinander gesetzt.
00:20:10: Wir hatten also so einen längeren sehr strukturierten Prozess, wo wir uns wirklich die Frage gestellt haben ja wir haben jetzt Instagram schon mal dreizehn Anlagen vor der Brust und wir wollen sozusagen das Rad nicht immer neu erfinden.
00:20:22: Und was ist denn für den Ruhrverband eine Verfahrenstechnik, die wir zukünftig etwas standardisieren können?
00:20:30: Und wir haben uns natürlich da sehr mit den Rahmenbedingungen auseinandergesetzt, die wir beim Rohrverband haben.
00:20:35: Der Rohrverbund ist ja in der glücklichen Situation, dass wir jetzt in den vergangenen Jahren nicht in jedem Jahr aber in zwei Jahren waren wir schon mal bilanziell energieneutral.
00:20:45: Dass wir also mit allen unseren Anlagen gerade den Wasserkraftanlagen Aber auch den Blockheitskraftwerken auf den Kläranlagen in der Jahresbilanz mehr Strom erzeugt hatten, als wir insgesamt auf allen unseren Anlagen und Bürogebäuden und so weiter verbraucht hatten.
00:20:59: Also hatten Strom über das Schuss Das war schon mal eine Randbedingung.
00:21:03: Das andere ist dass wir unsere Klimabilanz im Blick haben.
00:21:07: Wir wollen also den Ruhrverband klimaneutraler aufstellen Und wenn man sich diese beiden Rahmenbedingungen schonmal anschaut dann sprechen die eher für eine Ozonung, das liegt daran.
00:21:21: Die Ozonungen hat eigentlich den Nachteil dass sie sehr energieintensiv ist.
00:21:26: aber Energie haben wir eigentlich genug.
00:21:29: Das sieht für andere Betreiber durchaus anders aus.
00:21:32: wenn man den ganzen Strom extern beziehen muss Dann ist es sicherlich eher nachteil dafür.
00:21:37: Aber bei der Aktivkohle haben wir eben auf der anderen Seite einen Nachteile.
00:21:42: Das der Prozess zur Erstellung von Aktivkohle, der ist sehr energieintensiv und die Aktivkole kommt häufig nicht ausschließlich aber häufig aus Südostasien beispielsweise.
00:21:55: Hat also sehr lange Transportwege und bringt einfach für unsere Klimabilanzen einen sehr großen CO²-Foodpin mit sich.
00:22:02: Und das waren zwei Faktoren, die uns dann dazu gebracht haben zu sagen naja grundsätzlich scheint uns die Ozonung für uns erstmal das Verfahren der Wahl zu sein und letztlich schließen wir aber keinen Verfahren aus.
00:22:19: Man muss immer schauen wie die individuelle Randbedingungen auf jedem Kläranlagenstandort sind.
00:22:25: also es gibt zum Beispiel das Thema Pro-Mietkonzentrationen auf klären Langen.
00:22:30: Was jetzt, ich möchte da gar nicht zu sein sind... Nicht zuspezial
00:22:33: werden!
00:22:33: Aber ich weiß worauf du hinaus
00:22:35: willst?
00:22:35: Also wir haben ja in Brilan auch eine Pulveraktivkulitasierung gebaut.
00:22:40: das war jetzt allerdings vor diesem Prozess.
00:22:42: zukünftig würden wir eher schauen Ozoneung zu bauen wo es geht.
00:22:46: aber wenn's nicht geht dann müssen wir uns auch damit alternativen Verfahren oder Verfahrenskombinatione auseinandersetzen.
00:22:52: Du hattest ja erwähnt, dass im Rahmen der Gesetzgebung mehrere Kläranlagen des Ruhrverbands aus- oder umgebaut werden müssen.
00:22:59: Nimm uns doch mal ganz konkret mit welche Klärenlagen stehen da als nächstes im Fokus und wie sehen da die Planungen aus?
00:23:05: Ja also ganz konkret sind wir im Moment am Ausbau der Klärenlage HEMA dran.
00:23:10: dort haben wir jetzt schon die Genehmigungsplanung eingereicht und da werden wir die Anlage bis Ende twenty sieben zwanzig in Betrieb.
00:23:17: nehmen wir das schon Ende nächsten Jahres.
00:23:20: Das geht flott!
00:23:21: Dort auf jeden Fall.
00:23:22: Und dann folgen eben die, also folgt erstmal die Kläranlage Ansberg-Neeheim wo er jetzt die Übergangslösungen läuft über die wir gerade gesprochen hatten und dann die Klärenlage Westwig-Felmel.
00:23:34: das sind hier sozusagen die Top drei die jetzt ganz konkret in den nächsten Jahren kommen.
00:23:39: und dann kommt nochmal ein Ja, ich sag mal ein größerer Rutsch an Anlagen wo wir bis zwanzig zweiunddreißig die vierte Reinigungsstufe errichtet haben müssen.
00:23:48: Das sind die Kläranlagen Menden, Isalon-Barbachtal, die Klärenlage Vollmetall und die Klernlage Balwe.
00:23:55: Wobei das auch noch immer so ein bisschen von von Anschlussmaßnahmen abhängt also die beplanen wir ja auch in der Planungsabteilung dass wir also kläranlagestandorte zusammenlegen Und ich sage mal, das ist jetzt sozusagen der Best Case.
00:24:08: Dass wir also das Abwasser von anderen Kläranlagen standorten zum Beispiel jetzt in Balwe wäre dass die Klär Anlage neun Rade da müssten wir auch eine vierte Reinigungsstufe bauen.
00:24:16: in Balwa war auch.
00:24:17: und wenn wir dann eben die Klärenlage Neun Rada an die Klernlage Balwa anschließen dann bräuchten wir nur dort eine.
00:24:24: entsprechend zu bauen
00:24:25: wäre auf jeden Fall eine effiziente Lösung.
00:24:28: Lass uns ganz zum Schluss noch mal ein Blick in die Zukunft wagen.
00:24:32: und wenn wir zehn Jahre nach vorne schauen, wie wird sich die Mikroschadstoffreduktion dann im Ruhereinzugsgebiet weiterentwickeln?
00:24:38: Hast du ne Ahnung?
00:24:39: kannst Du uns mitnehmen auf die Reise?
00:24:41: also ich gehe fest davon aus dass sich die Technik weiter entwickeln wird.
00:24:46: es gibt natürlich jetzt schon relativ viele Anbieter auf dem Markt die ihre Verfahrenstechnik noch weiter entwickeln werden, effizienter machen werden und so weiter.
00:24:57: Und auf der anderen Seite werden wir auch mit jeder Anlage die wir neu errichten und im Betrieb gehen auch mehr Erfahrung sammeln.
00:25:04: Das andere wäre aber nochmal der Ansatz den wir vorhin schon mal besprochen hatten also sich jetzt nicht nur darauf zu fokussieren wie wir die Stoffe wenn sie im Abwasser sind dann raus bekommen sondern eben auch noch einmal die anderen Ansatzpunkte die ansätze an der Quelle das heißt dem bewussteren Arzneimittel, Einsatz zum Beispiel weiter auch zu fossieren und hier auch über den Pfad der Aufklärung einfach nochmal was zu erreichen.
00:25:30: Dann lass uns zum Schluss des Podcasts kommen.
00:25:33: dann noch mal eine persönliche Frage mein lieber Was macht dich eigentlich optimistisch dass wir das Thema Mikroschadstoffe langfristig in den Griff bekommen?
00:25:41: Also grundsätzlich muss man erst einmal sagen im Bereich der Mikroschatstoffreduktion ist ein ganz großer Vorteil dass die Techniken vorhanden sind.
00:25:50: Das haben wir tatsächlich nicht.
00:25:52: bei allen Fragestellungen, die uns im Moment in der Wasserwirtschaft bewegen ist das der Fall.
00:25:58: also Thema Phosphorückgewinnung zum Beispiel kannst du vielleicht noch mal eine eigene Folge darüber machen.
00:26:03: aber da ist es so.
00:26:04: da haben wir auch rechtliche Anforderungen und eigentlich sind die Verfahren noch gar nicht unbedingt soweit dass wir jetzt überall Anlagen bauen können.
00:26:14: Das ist bei der Mikroschadstoffreduktion anders, da wird lange geforscht.
00:26:18: die Verfahren sind marktreif, sind etabliert und wir können loslegen.
00:26:22: das ist schon mal.
00:26:23: das macht mich total optimistisch in dem Bereich.
00:26:26: aber Wir haben uns auch intern sehr gut aufgestellt Haben dort eine Projektgruppe aus allen Bereichen Planung Bau Betrieb Die Kolleginnen Kollegen von den Anlagen die es wirklich am ende Tag für tag betreiben müssen.
00:26:41: Dort sind wirklich alle sehr motiviert und von daher bin ich total zuversichtlich, dass wir das Thema bei uns auch in den Griff kriegen wie du gesagt hast.
00:26:51: Aber ich würde mal sagen, bewerkstelligen können!
00:26:56: könnte ich nicht schöner ausdrücken.
00:26:58: mein lieber du bist optimistisch dann sind wir es alle.
00:27:00: wenn du schon bis als fachmann, dann sag ich ganz ganz lieben dank dafür dass du heute zu Gast in unserem kleinen podcast warst.
00:27:06: wer weiß wer weiß vielleicht gibt's noch mal ein thema mit dem wir dich angeln können.
00:27:09: ansonsten wünsche ich dir erstmal weiterhin frohe schaffen und euch ihr lieben ja viel spaß beim zuhören.
00:27:16: Das war Wasserdicht für heute und auch in der nächsten Folge erwarten euch wieder spannende Einblicke rund um die Ruhr, den Ruhrverband und natürlich die Herausforderung der modernen Wasservirtschaft.
00:27:26: Wenn euch diese Folge gefallen hat folgt uns auf allen gängigen Podcast-Plattformen gibt uns fünf Sternchen bewertet uns und empfehlt Wasserdicht gerne weiter!
00:27:34: Ansonsten bis zur nächsten Folge.
00:27:36: wir hören voneinander tschö.
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